Nagano

Die Straße bergauf zum Zenkoji-Tempel verlief sanft.  Je näher ich dem Tempelgelände kam, desto geschäftiger wurde es.  Viele Souvenirstände rund um den Eingang, Fahnen, Wimpel, Düfte von Süßigkeiten und Weihrauch.

An einer langen Wand vor dem Eingang einige
lebensgroße Bodhisattva-Statuen nebeneinander aufgereiht.
Jede Statue mit unterschiedlichen Gesten und Symbolen.  Alle trugen rote Hauben und Lätzchen.

Ein großes Weihrauchgefäß direkt vor dem Haupttempel.  Der große Bronzedrache in der Mitte war fast hinter einem Nebelschleier verborgen.

In der großen Halle mit den Tatami herrschte trotz zahlreicher Besucher eine ruhige Atmosphäre.
In der Nähe des Eingangtores eine Heilerskulptur aus Stein.  Menschen warfen Münzen in eine Kiste, streichelten die Figur an verschiedenen Stellen und dann sich selbst an denselben Stellen.
Soll ich auch spenden?  Ich kämpfte mit mir.  Irgendwie ist es etwas peinlich.  Schließlich leben wir im Zeitalter der Aufklärung.  Schüchtern streichelte ich Kopf und Augen der Heilerskulptur und dann meinen Kopf und meine Augen – schaden kann es ja nicht.

Unter dem Altar führte eine Treppe hinunter zum Tunnel. Komplette Dunkelheit.  Ich konnte nichts sehen.  Mit der rechten Hand tastete ich mich an der Wand entlang und hielt mich an der Handtasche meiner Vorgängerin fest, um nicht die Orientierung und den Halt zu verlieren.  Irgendwie bedrückend.  Erinnerung an bleierne Zeiten.  Ich konnte den metallenen Key to Paradise (wie es heißt), dem Reinen Land, spüren.  Dann endlich Licht im Dunkeln.  Und auf der anderen Seite die Treppe hoch, raus aus dem Tempel,…

Der Text ist ein Ausschnitt aus meinem Buch – in Deutsch und Englisch Mokume and the art of travelling

in my E-book
https://tredition.de/autoren/sabrina-d-agliano-38504/mokume-und-die-kunst-des-reisens-e-book-158835/

and in my Printbook:
https://tredition.de/autoren/sabrina-d-agliano-38504/mokume-und-die-kunst-des-reisens-paperback-158834/

Zurück in Nagano im Mai 2023. Ich kam am Abend an.

Regen, nicht wirklich angenehm. Dennoch beschloss ich – nach der langen Bahnfahrt – zum Zenkoji Tempel zu laufen.
Am Tempel geheimnisvolle Atmosphäre. Ruhe
Ich war ganz alleine
Leichter Regen fiel
Frösche quakten.

https://www.zenkoji.jp/

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